Wetterau auf Touren
Wetterau auf Touren

Basilika St. Maria, St. Petrus und St. Paulus in Ilbenstadt

St. MariaDer Dom der Wetterau

Ein weiteres, schon von weitem sichtbares Wahrzeichen der südlichen Wetterau ist die ehemalige Klosterkirche des Praemonstratenserklosters Ober-Ilbenstadt.

Ehemaliges Praemonstratenserkloster Ober-Ilbenstadt

Der spätere Erzbischof von Magde­burg, Norbert von Gennep, hatte 1121 den nach seinem Ursprungsort Premontre genannten Prämonstratenser-Orden gegr. Unter seinem Einfluss errichteten 1122 die westfälischen Grafen Gottfried (+ 1127) und Otto (+ 1171) von Cappenberg auf ihren Besitzungen Cappenberg, Varlar und llbenstadt die ältesten Prämonstratenser-Klöster Deutsch­lands und traten dann selbst mit ihrer Schwester Beatrix dem Orden bei.

Der in llbenstadt gestorbene Gottfried wird als Heiliger verehrt. Blüte im I2..-I3. Jh. und - nach Schäden im Dreißigjährigen Krieg und Erhebung zur Abtei 1657 - unter Abt Andreas Brandt (1681-172.5). Nach Aufhebung 1803 bis 1921 im Besitz der Grafen von Altleiningen-Westerburg. Seitdem hessischer Staat, Konventgebäude Bistum Mainz.

Ehemalige Klosterkirche St. Maria, St. Petrus und St. Paulus

Dreischiffige PfeilerbasilikaEhem. Klosterkirche St. Maria, St. Petrus und St. Paulus, heute kath. Pfarrkirche. Dreischiffige Pfeilerbasilika mit Querschiff und Doppel­turmfassade. Eine der ältesten und bedeutendsten romanischen Kir­chen in Hessen; ihre Formen folgen über mittelrheinische Bauten ver­mittelten lombardischen Vorbildern.

Baugeschichte

Wohl 1123 wurde mit Chor und Querhaus begonnen. 1149 wurden die Stiftergebeine in die große Kirche überführt und im Mittelschiff auf Höhe des Kanzelpfeilers beigesetzt. Zu diesem Zeit­punkt muss die Kirche fertiggestellt gewesen sein, vielleicht mit Aus­nahme des Oberteils des Chorschlusses und des Nordturms; der Bild­hauer des Oberteils des Nordturms anschließend am Palas der Burg Münzenberg tätig. 1159 Weihe. Eine Chorapsis auf segmentbogen­förmigem Grundriss schon während der Erbauungszeit abgebrochen und durch den heutigen rechteckigen Chorschluss ersetzt. Gebuste Kreuzrippengewölbe zwischen 1487 und 1502, von Meister Hen. Das hohe Langhausdach, der Vierungsdachreiter und Turmhelme 1614. Das nördl. Seitenschiff 1678 erneuert. Die südl. Nebenapsis 1685, der nördl. Querhausarm 1692. samt Nebenapsis neu aufgeführt. 1870 Erneuerung der gesamten Westfassade zwischen den Türmen (das Ka­pitell der wiederverwendeten Mittelstütze um 1200). Außenbau. Dreischiffige Basilika mit ausladendem Querschiff, Vie­rung sowie Chor aus längsrechteckigem Vorjoch und innen einsprin­gendem Rechteckschluss. An den Querschiffsarmen zwei Nebenapsi­den über segmentbogigem Grundriss. Quadermauerwerk mit Lisenen und Bogenfriesen. Nach Norden zum ehem. Friedhof eindrucksvolles romanisches gestuftes Säulenportal in Rechteckrahmen (ähnlich den Ostportalen des Mainzer Doms).

Chor, ausgeschiedene Vierung und Querhaus mit ähnli­chen Einzelformen wie die beiden etwa gleichzeitigen Untergeschosse des Westbaus. Mit Ranken- und Tierwerk reich verzierte Kämpfer an den Ecken der einspringenden rechteckigen Chornische, an der Vierung und am südl. Querhausarm. Am südöstl. Vierungspfeiler Hufeisenbandfries, am nordöstl. Vierungspfeieler und den Querhaus­eingängen Palmetten-Lotus-Band. Bemerkenswert das Kapitellrelief mit Kentaur, Jagd und Tierkampfszenen am südwestl. Vierungspfeiler zum Chorus minor. Spätgotische Rippengewölbe.

Das Langhaus hat je neun schlanke Arkaden mit abgetreppten runden Scheidbögen. Sie ruhen an der Südseite auf quadratischen Pfeilern mit vorgelegten Halb­säulen, auf der Nordseite aber wechselweise auf quadratischen und runden Pfeilern (der letzte östl. Pfeiler ohne Vorlage).

Ehemalige Klostergebäude

Heute ist Haus St. Gottfried, Jugendbildungsstät­te der Diözese Mainz. Die Konventsgebäude unter Abt Andreas Brandt 1707-15 um einen an der Südseite der Kirche bestehenden Kreuzgang mit Prälatenbau (westl. Fortsetzung des Südflügels) neu erbaut. Architekt der Ilbenstädter Klosterbruder A. Spohrer Der Klosterostflügel (von 1707) und nördl. Kreuzgangflügel (von 1697) bereits 1819 abgebrochen. Der Kloster­südflügel von 1709, der Klosterwestflügel von 1711 und der nach Westen vorspringende Prälatenbau von 1715 brannten 1963 bis auf den Kreuzgang und Außenwände aus und wurden im Innern in neu­zeitlichen Formen wiederaufgebaut.

Sog. Pilgerhaus, 172,5, urspr. Krankenbau mit Archiv und Bibliothek im Erdgeschoss, Putzbau mit Kantenquaderung und Mansardwalmdach, dem Eberbacher Zisterzi­enser B. Kirn zugeschrieben. Der Klosterhof nördl. der Kirche durch zwei Tore zugänglich.

Oberes Tor, sog. Gottfriedsbogen, 1721, mit reichem, plastisch hervortre­tendem Bauschmuck und Mansarddach, seitlich ein Treppenbau mit Wendelstein, der Entwurf vermutlich von B. Kirn, die Bildhauerarbei­ten von B. Schwarzenberger

Unteres Tor, Nebenpforte bez. 1588, der Torbogen 1603 erneuert, das Obergeschoss, bez. 1685, war Klos­terschule.

Ökonomiehof. Ehem. Werkstättenbau, 1700, mit diamantgequaderten Steinportalen; nach Westen anschließend Pferdestall und Ge­sindewohnung 1737; Scheune, ältere Gebäude 1587 nach Westen verlängert, Ostfassade 1685 erneuert.

Zwischen Scheune und Kirche Kelterhaus von 1711. Auf der anderen Seite der Scheune nach Norden Viehstall von 1789. Am äußeren Klosterhof Gesindehaus mit Sonnen­uhr 1705.Die Klostermauer um den südl. gelegenen Abteigarten von 1713 mit zwei polygonalen ehem. Eckkapellen und westl. Portal vollständig erhalten. Wehrmauer um den westl. gelegenen Obstgarten, Südseite 1493, Westseite 1577 (ehem. mit Rondellturm). Nordöstl. der ehem. Klosterkirche, in den Klosterbezirk eingeschlos­sen, die ehem. Grabkapelle der Grafen von Altleiningen-Westerburg, heute ev. Kirche, kreuzrippengewölbter neugotischer Saal, 1863.

Ehemalige Niddabrücke

Vier Steinbögen über den ehem. Flusslauf der Nidda. 1745 anstelle einer Holzbrücke errichtet. 1761 teilzerstört, 1787 wiederhergestellt; ein Bogen 1831 in Backstein ausgemauert. -In Bezug zur Brücke die Statue des hl. Johannes Nepomuk von M. Biterich (Kopie, Original von 1742. im Wetteraumuseum Friedberg) an der Scheune von 1742, des sog. Ritterhofs, ehem. ein Klosterhof (Mühlgasse z), Hofhaus 1772. Das ehem. Flussbett der Nidda auf­wärts ehem. Klostermühle, urspr. einstöckig von 1726, modern aufge­stockt; Gottfriedsfigur und Wappentafel von 1726.

Ehemaliges Praemonstratenserinnenkloster Nieder-Ilbenstadt, heute Gutshof NonnenHof

Südöstl. außerhalb der Ortslage. 1166 erstmals ge­nannt, 1809 aufgehoben. Geschlossene Hofanlage, größtenteils noch aus klösterlicher Zeit. Eingangspförtchen 1585; seitlich davon vermau­erter Torbogen 1699. Die 1712, neu erbaute Kirche 1812, abgebrochen. Sie stand etwa in der Hofmitte. Hochaltar, zwei Seitenaltäre, Bänke und Kreuzwegbilder seit 1808 in t> Ober-Erlenbach. - Ehem. Non­nenbau mit Portal von 1696 und geometrisch geteilter Stuckdecke von 1736. - Das jetzige Herrenhaus des Hofs in verputztem Fach­werk mit geschnitztem Portal von 1670 und geometrischer Stuckdecke von 1713. -Wirtschaftsgebäude bez. 1705, 1706 und 1717.

ilb basilika
ilb basilika detail 01
ilb basilika detail 02
ilb basilika innen
ilb gottfriedsbogen
ilb nonnenhof

Detailiertere Angaben erhalten Sie von der regionalen Vereinigung für Heimatforschung Vogelsberg-Wetterau-Kinzigtal.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen