Wetterau auf Touren
Wetterau auf Touren

Friedberg - Das Zentrum der Wetterau

Hauptstadt der Wetterau, jener fruchtbaren Senke zwischen Taunus und Vogelsberg., die schon die Römer durch den hier nach Norden ausbiegenden Limes in ihren Machtbereich einbezogen hatten. Eine jungsteinzeitliche Siedlung der ältesten Bandkeramik am Südhang des Stadtbergs (im heutigen Bereich Kaiserstr. 120) durch Funde belegt. Durch Grabungen 1963 ist eine fruhkaiserzeitliche Militäranlage (ab 10 n. Chr.) auf dem Burgberg nachgewiesen, als nördl. Teil des Höhen­rückens zwischen Usa- und Seebachtal, nach Süden abfallend. Nach vorhergehender ausschließlicher Besiedelung des Umlands kann eine erste städtische Ansiedlung in römischer Zeit frühestens für das i. Jh. n. Chr. angenommen werden. Nach Süden entwickelte sich ein La­gerdorf (Vicus) mit Streifenhäusern an der bedeutenden römischen Straßenverbindung des nordmainischen Gebiets. Nach 260 n. Chr. (Rückzug der Römer auf die Rheingrenze) ist der Fortbestand römi­scher Verkehrs- und Wirtschaftsstrukturen anzunehmen, dennoch ist eine Siedlungskontinuität nicht nachweisbar, erst E. 7. Jh. sind wie­der feste Siedlungen belegt. E. 12. Jh. das Gebiet Friedbergs aus der Gemarkung der Nachbardörfer Ockstadt, Strassheim und Fauerbach herausgelöst, um dort eine staufische Reichsburg und -Stadt anzulegen.

Südl. angrenzend zunächst eine Burgmannensiedlung, und sehr wahr­scheinlich unter Friedrich Barbarossa planmäßige Anlage einer Stadt in etwa gleicher Form und Ausdehnung wie die römische. 1216 der Burg­graf, 1219 die Stadt erstmals genannt. Seit 1245 nachweisbar getrennte und selbstständige Entwicklung von Burg und Stadt. 1257 Reichs­unmittelbarkeit der Stadt. Durch Privileg Rudolfs I. (1275) Schutz der seit 1241 bestehenden jüdischen Gemeinde durch die Burg, die Judengasse damit Teil des Burgfriedens und über eine Brücke mit der Burg verbunden. Nach der Zerstörung der Burg durch die Stadt nach dem Interregnum um 1273/76 gewann die Burg seit Beginn des 14. Jh. allmählich wieder die Oberhand über die Stadt. Die Burgmannenhäuser entstanden ab jetzt im Mauerring der Burg; seit 1295 durfte kein Burgmann eine eigene Burg in der Nähe errichten. Nach Verpfändung der Stadt an Hessen, Frankfurt und Mainz 1348/49 gelang es der Burg seit 1455 die Pfandschaften aufzukaufen und die Stadt bis 1535 wie­der völlig unter ihre Botmäßigkeit zu zwingen. Die Burggrafen führ­ten 1492-1729 die Wetterauer Ritterschaft an und waren 1532-1764 Hauptmänner der mittelrheinischen Reichsritter. Wirtschaftliche Blüte der Stadt im Spätmittelalter durch die Lage an der Hohen Straße, der Fernhandelsstraße von Frankfurt a. M. über Leipzig nach Schlesien.

Entwicklung der Stadt durch die großen Stadtbrände 1383 und 1447 sowie durch verheerende Seuchen rückläufig; seit dem 14. Jh. durch Frankfurt a. M. als dem nun bedeutenderen Ort des Tuchhandels abge­löst. Die Reichsstadt Friedberg wird 1541 protestantisch. Im Dreißig­jährigen und Siebenjährigen Krieg Plünderungen und Teilzerstörungen. 1803 die Reichsstadt, 1806 die Burggraf schaff an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt. 1834 Zusammenschluss von Burgsiedlung und Stadt zu einer Gemeinde.

Sehenswürdigkeiten:

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Ehem. Reichsburg Friedberg

Auf dem Gelände eines ehem. Römer­kastells errichtet. Großflächigste Burganlage im heutigen Bundesland Hessen. Sie erhebt sich auf einem ins Usatal vorgeschobenen, an drei Seiten abschüssigen Felsengelände (25-30 m hohe Steilhänge) auf lang­gestrecktem, annähernd rechteckigem Grundriss (rund 160 x 250 m). An der Süd- bzw. Stadtseite ehem. ein tiefer, heute ausgemauerter Gra­ben.

Auf allen Seiten spätmittelalterliche, im 16. Jh. verstärkte Wehranlagen mit vorgelagerten Zwingeranlagen. Das geräumige Burgareal erschlossen durch eine von Süden nach Norden verlaufende Mittelach­se, an der in repräsentativer Abfolge Plätze und Bauten hintereinander gestaffelt sind.

Im Süden die Verwaltungsbauten davor der Burgplatz mit dem St.-Georgs-Brunnen und der Burgkirche als optischem Abschluss nach Norden. Im nördl. Burgareal bildet die Burgkirche mit den regelmäßig-rechtwinklig orientierten Burgmannenhäusern eine eigene Platzsituation. Als krönender Abschluss der Anlage, schon au­ßerhalb der Ringmauer gelegen, der hohe, im gesamten Stadtbild do­minante und weit ins Tal wirkende runde Adolfsturm. Baugeschichte. Aus römischer Zeit ein kleines Badegebäude an der Westseite (im Keller des Schulneubaus von 1965). Von der im 12. Jh., wohl im Rahmen des staufischen Burgensystems zur Sicherung der westl. Wetterau zwischen Münzenberg und Frankfurt unter König Konrad III. errichteten Anlage keine Reste nachgewiesen. Sie war nach dem Niedergang der Staufer im Interregnung zwischen 1273 und 1176 von den Bürgern der Stadt erobert und zerstört, aber direkt im Anschluss erneuert worden. Der staufische Bergfried, der auch die erste Burgkapelle beherbergte, befand sich am Südtor, stürzte 1684 ein und wurde 1771 teilweise abgebrochen. Die auf allen Seiten erhaltenen Wehranlagen des 14. Jh. mit dem zweiten, 1347 errichteten Bergfried (Adolfsturm) bis ins 16. Jh. den neuen Entwicklungen der Wehrtech­nik entsprechend verstärkt; u. a. durch den als Geschützbollwerk in Auseinandersetzungen mit der Stadt nach 1498 errichteten Dicken Turm.

Baubeschreibung. Doppelte Ringmauer, die äußere mit Flanken­türmen des 15. Jh. - An der Südwestecke vorgeschoben der mächtige, Dicke Turm, das ehem. Alte Bollwerk, um 1500; urspr. 2,0 m hoch, jetzt durch die 1841/42. neu trassierte Gießener Straße beeinträchtigt, mit der Burg durch einen Gang verbunden. - Am südl. Burgzugang breitgelagertes Tor haus mit spitzbogigem Tor und zwei Ecktürmen, um 1500 (der eingemauerte Schlussstein, bez. 1493, von anderer Stel­le); das Burgwappen vom Umbau des 17. Jh. - Innen anschließend das Wachthaus mit offener Vorhalle und Mansarddach, 1771/72 von A. Liebhardt. - Der nördl. Burgzugang besonders stark ge­sichert, ehem. durch sechs Torbauten; die drei äußeren abgebrochen; am äußersten nördl. Tor Schlussstein mit Inschrift 1534; das doppel­te Haupttor mit Torwärterhäuschen und Zwinger. An diesem der Adolf sturm, nach 1347 von dem Lösegeld des Grafen Adolf von Nassau-Saarbrücken als zweiter Bergfried in sog. Butterfassform er­baut: hoher Rundturm mit Wehrgang, mehreren gewölbten und z. T. heizbaren Räumen über hohem Verlies und vier 1893 rekonstruierten Erkern, darüber ein verjüngter Aufsatz mit einem zweiten Wehrgang, die abgetreppten Zinnen und der Steinhelm 1893; Zugang in 13 m Höhe vom Wehrgang der Burg aus. - Die westl. Zwingeranlage um 1440.

An der nordöstl. Längsseite der Burggarten in ehem. Wall- und Grabenanlage, seit dem 18. Jh. zum herrschaftlichen Park umgestal­tet. Über die verschiedenen Geländehöhen verlaufendes Wegenetz mit Lindenallee, Bogenbrücke und Aussichtsbastionen (eine mit Hainbu­chenlaube).Im Zentrum der Burganlage die Ev. Burgkirche (In der Burg 17), 1782-84 nach einem 1771 von F. L. von Cancrin gefertigten und 1775 von /. P. Wörrishöfer überarbeiteten Plan beg. und im Rohbau abge­schlossen. An der Ostseite das Burggrafenhaus oder Burggrafiat, heute Be­hördenhaus (In der Burg 133), 1604-10 unter Burggraf Johann von Cronberg erbaut, seit 1683 Amtshaus der Burggrafen, 1817 großher­zoglich hessisches Residenzschloss, nach Brand 1990 innen erneuert. Gestreckter zweigeschossiger Rechteckbau, an den drei dreigeschos­sigen Querflügeln Spätrenaissancegiebel; am Portal die Wappen von Cronberg/von Riedesel. Mittlerer Risalit mit original erhaltenem Trep­penaufgang. Südl. Anbau E. 18. Jh. - Am südl. angrenzenden kleinen Nebenhof Marstall (In der Burg 13d), um 1780 und Scheune (In der Burg 136), um 1765-70. - Nördl. anstoßend das Deutschor­denshaus (In der Burg i3b), 1491 bis 1806 Faktorei der Kommende Frankfurt, zugleich 1589 bis 1764 Direktorium der Mittelrheinischen Ritterschaft; neu erbaut 1716-18 unter Landkomtur Graf Damian Hugo von Schönborn. Reicher Portalaufbau von M. von Welsch. - Die beiden großen Höfe vor dem Burggrafen- und Ordenshaus getrennt durch das Kavaliershaus (In der Burg 130), um 1605, mit Spätre­naissancegiebel. - Großes dreiteiliges Hofportal, bez. 1611, oberster Aufsatz 1752.Im westl. Bereich das Brendelsche Haus, heute Teil des Burggym­nasiums (In der Burg 34), Neubau 18. Jh. mit Wappen des Gründungs­baus von 15 3 3, im Rahmen der barocken städtebaulichen Neuordnung des Burgareals. - Haus der Freiherren Löw zu Steinfurth (In der Burg 32), Torbau und Herrenhaus 16.717. Jh., beide mit Fachwerk-Obergeschossen, 1933 verändert. - Haus der Riedesel zu Bellersheim, sog. Langer Bau (In der Burg 33), massives Erdgeschoss 1533, Fachwerkobergeschoss 17. Jh. - Ehem. Burgkanzlei, heute Teil des Burggymnasiums (In der Burg 4), 1512, erbaut (nach Inschrift an der Stütze im gewölbten Erdgeschosssaal), 1704-07 umgebaut; Säulenportal mit Justitia 1705.Auf dem Burgplatz St. Georgsbrunnen, 1738 von/. P. Wörrishöfer, die Figur des hl. Georg von B. Zamels, ausgeführt von Steinmetz /. P. Mörß (Kopie, Original seit 1977 im O Wetterau-Museum).

Weiter Stadtrundgang:

Ev. Stadtpfarrkirche Unserer Lieben Frau

(Engelsgasse 42/44). Hoch­gotische Hallenkirche, die, abgesehen von ihrer unvollendet gebliebe­nen Doppelturmanlage, trotz ihrer langen Bauzeit (1260-142,0) ein be­merkenswert harmonisches und geschlossenes Gesamtbild bietet. Der Hallentypus mit gleichbreiten Scheid- und Gurtbögen in der Nachfolge westfälischer Hallenkirchen, vermittelt über das zwischen 1250 und 1269 errichtete kurze Langhaus des Frankfurter Doms Frankfurt a. M., ehem. Stiftskirche St. Bartholomäus), mit drei völlig gleichen Schiffen; dieser Bau hatte auch den E. 13. Jh. entstanden Hallenkir­chen St. Stephan und Liebfrauen in Mainz als Orientierung gedient. Die Stilformen vollständig durch Mainzer Vorbilder bestimmt. Der große Maßstab der Gesamtanlage, der im näheren Umfeld im Mit­telalter nur vom Frankfurter Dom übertroffen wurde, zeugt vom An­spruch der Stadt auf ihre Eigenständigkeit gegenüber der Reichsburg Friedberg.

Baugeschichte

Die Grundmauern einer dreischiffigen Basilika des letzten V. 12. Jh. mit Querschiff und Dreiapsidenschluss Querschiffinnerhalb des heutigen Baus 1896 und 1957/58 ergraben. Die heutige Kirche kurz vor 1260 mit Chor und Querschiff begonnen, wohl unter Einfluss der Chöre der Marienkirche von Geinhausen und der Abteikirche von Seligenstadt (vgl. attisches Sockelprofil außen, Eckdienste im Querschiff und Sockel der östl. Vierungspfeiler). Seit etwa 1280 das aufgehende Mauerwerk in den wenig früher an der Westfassade des Straßburg Münsters entwickelten, an der Mainzer Liebfrauenkirche (1815 abge­brochen) und den Nordkapellen des Mainzer Doms rezipierten For­men weitergeführt. Bei der Weihe des Hochaltars 1306 waren Chor, Querschiff, Brautportal, westl. Vierungspfeiler und südöstl. Treppen­turm vollendet. In zwei Bauabschnitten entstanden ab 1310-20 bis etwa 1340 die beiden östl., danach bis etwa 1370 die folgenden Joche. Zunächst die Errichtung zweier Westtürme über dem Westjoch vorge­sehen. Nach einer Planänderung vor 1380 die Türme vor der Westseite begonnen. Auf Drängen der Burggrafen verbot König Ruprecht von der Pfalz 1410 ihre Höherführung, da sie angeblich der Stadt als Bollwerk gegen die Burg hätten dienen können. Von den beiden geplanten Türmen gehörte einer rechtmäßig dem König als weltlichem, der andere dem Mainzer Erzbischof als geistlichem Landesherrn (Angabe von 1404). Abschluss des Gesamtbaus um 1420. Restaurierung 1896-1901, dabei Chor und Querschiff abgetragen, auf nun tragfähigen Fundamenten, in alter Form und größtenteils mit dem alten Steinmaterial wiederauf­gebaut; ferner der seit dem Mittelalter provisorisch durch ein Pultdach geschlossene Südturmstumpf nach der 1900 von H. Kratz entworfenen sog. kleinen Lösung mit umlaufender Galerie und Pyramidendach ge­stalterisch vollendet. Bei Gesamtrenovierung und Umgestaltung des Kircheninnern 1955-58 die alte Farbgebung nach spätgotischem Be­fund vereinfachend erneuert

Baubeschreibung

Dreischiffige Halle zu sechs Jochen mit wenig ausladendem Querhaus, an das der Altarraum als 5/8-Schluss ohne Zwischenjoch angefügt ist. Im Westen unvollendete Doppelturmfas­sade mit dreigeschossigem Nord- und anderthalbgeschossigem Süd­turm.Der Außenbau ist schlicht, doch mit Sorgfalt behandelt. Die Fas­sade der Ostteile und des Langhauses mit ausgeprägter Sockelzone, rhythmisierenden Strebepfeilern, Fialenbekrönungen und Wasserspei­ern. Profilierte drei- bzw. vierbahnige Maßwerkfenster und vorgelager­te Treppentürme an den Westecken des Querhauses. Wandabschluss durch die bis 1824 nahezu vollständig erhaltene, 1900/01 teilweise erneuerte Maßwerkgalerie. Die sich jochweise dahinter erhebenden Walmdächer über den Seitenschiffen und dem Querhaus haben die gleiche Höhe wie das durchlaufende Mittelschiffdach und werden jeweils von einer Steinkreuzblume bekrönt. - Die vorzüglichen Ein­zelformen der Ostteile weisen auf mittelrheinische Vorbilder (vgl. Oppenheim, St. Katharinen; Mainz, Seitenkapellen des Doms, und ehem. Liebfrauenkirche), die Maßwerkformen der Chorfenster un­mittelbar auf die Westfassade des Straßburger Münsters. Am südl. Querarm kleines Portal mit Wimpergbekrönung, sog. Brautportal, um 1285 (das Blattwerk in Teilen von 1901), mit Deesis im Tympanon. — Die sehr massiven Westtürme haben als Öffnungen wenige j kleine Fensterschlitze, keine Türen, Zugang urspr. nur durch die Treppentürme an den Seitenschiffen. Auf dem Nordturm verschiefertes Glockengeschoss und Spitzhelm über vier Giebeln. In ( Turmerdgeschossen offene Hallen mit Kreuzrippengewölben. Vor dem großen Westfenster eine Sandsteinmadonna, um 1280 (Kopie, Original im Innern).

Das Innere

Im Gegensatz zur Marburger Elisabethkirche (Hessen I) und ihren Nachfolgebauten ist die Friedberger Hallenkirche durch die weite Pfeilerstellung und die Gleichgestaltung von Scheid- und Gurtbögen als Einheitsraum aufgefasst und ist damit eher in der Tra­dition der Dome zu Minden und Paderborn (Westfalen) als in der der sog. hessischen Hallenkirchen zu sehen. Das Breitengewicht des Mittelschiffs über die Seitenschiffe ist wenig betont; es ließ sich daher ohne auffallende Verschiedenheit der Bogenlinien gleiche Höhenlage der Scheitel erreichen (Vorstufen Dom zu Frankfurt, St. Stephan und ehem. Liebfrauenkirche in Mainz). Entsprechend den Bauabschnitten ändert sich die Form der Pfeiler von Osten nach Westen: im Quer­haus die in der Kathedrale von Reims entwickelten sog. kantonierte Rundpfeiler, die über die Trierer Liebfrauenkirche und die Marburger Elisabethkirche Eingang in die mitteldeutsche Architekturlandschaft fanden. Die übrigen Pfeiler jeweils mit vier alten und vier jungen Diensten (vgl. Straßburger Münster, Kölner Dom), die im östl. Teil des Langhauses mit rundem, im westl. Teil mit achteckigem Pfeilerkern; das letzte Pfeilerpaar ist verstärkt, da es die geplanten Türme tragen sollte. In der ganzen Kirche Blattkapitelle und Kreuzrippengewölbe; die Schlusssteine in den Ostteilen mit Blattwerk, in den Westteilen mit geometrischen Lilien- und Sternmustern, ferner im Chor Marien­krönung und im östl. Mittelschiffjoch Agnus Dei. Über der Sakris­teitür im Bogenfeld Blattmaske reich von Weinlaub umrankt, um 12.85/90.

Ausmalung

Wände und Gewölbekappen weiß, alle Architektur­glieder rot mit weißen Fugen, Kapitelle und Schlusssteine mehrfarbig. An den Querhauswänden Spuren von aufgemalten roten Quaderfugen und Maßwerkornamenten an den Rippen, 1900 gefunden. An einigen Langhausgewölben erneuerte Rankenmalereien aus der Bauzeit, aus der Spätgotik und von 1720. Die ikonographisch noch ungedeuteten gotischen Gewölbemalereien des Querhauses 1896 zerstört, aber in Kopien und Fotos überliefert.

Glasmalerei

Die drei mittleren Chorfenster mittelalterlich: die Ornamentfelder in den unteren Bereichen frühes 14. Jh. (1899-1901 stark ergänzt). Als entwerfender Zeich­ner ist der Maler Henritz Heyl, als ausführende Glasmaler sind Kon­rad, dessen Sohn Johann Rule und ein Meister Conrad (vermutlich mit Konrad von Schotten identisch) überliefert. - 1845-48 Reparaturen mit unbemaltem Farbglas. - 1890 erste Restaurierung und Neuord­nung mit Resten der hoch- und spätgotischen Verglasung durch die Werkstatt A. Linnemann. Die beigeordneten Chorfenster stammen, wie 15 weitere Fenster bis 1902. von A. Linnemann, das Luther-Fenster 1918 von dessen Sohn O. Linnemann', prächtige neugotische Entwür­fe in den Formen und Farben des frühen 14. Jh. mit Propheten und Königen, Evangelisten und Heiligen sowie Szenen aus dem NT. Nach Kriegsschäden 1959 teilergänzt bzw. durch moderne Glasmalereien mit gleicher Ikonographie durch C. Crodel 1962-64 erneuert. Seit den späten i9yoer Jahren Fenster mit freien Themen: Die Stadt, 1977 von £. Böhmer, Europa-Fenster, 1985 von B. Spreng, Diakonie-Fenster, 1986 von H. G. von Stockhausen und Ökumene-Fenster, 1994 von H. Lander.

Ausstattung

Von ehem. 17 Altären nur die gotische Mensa des Hochaltars erhalten (der Aufsatz des Hochaltars, um 1365/70, und ein gemaltes Flügelretabel, um 142.5, im Landesmuseum O Darmstadt, ein weiteres bedeutendes Retabel, um 1410, im Diözesanmuseum Ut­recht). - Bronzenes Altarkreuz 1971 von K. Hemmeter. - Reich­geschnitzte Holzschranke, 1625 als Altarumschrankung (sog. Paradiesgärtlein) geschaffen. - Reiches Sakramentshaus mit hoher Turmbekrönung, feinem Stabwerk und verschlungenen Wimpergen, 1482-84 von Hans von Düren-, originalgefasstes, gotisches Schutz­gitter mit eisernen Armleuchtern. - Frühgotisches Taufbecken mit Spitzbogenblenden, 2. H. 13. Jh., auf drei romanischen Steinlöwen des 12. Jh. - Kanzel-Schrankenlettner, 2. V. 15. Jh., mit zwei maß­werkverzierten seitlichen Durchgängen und mit Maßwerkbrüstung, unter Verwendung der nun erhöhten Lettnerkanzel der Vorgänger­kirche, Schule des Madern Gerthener, vor der Mitte ein frühgotisches Altarziborium, um 1240/50, ebenfalls aus der Vorgängerkirche stammend und noch an urspr. Stelle (ein ähnliches Altarziborium in der Pfarrkirche von O Münzenberg erhalten). Am Lettner stehende Muttergottes, Sandstein, ausgezeichnete mittelrheinische Arbeit, um 1280. Auf dem Lettner großes Holzkruzifix, um 1500, angeb­lich aus einer abgebrochenen Friedberger Kirche.

Kath. St.-Georgs-Kapelle, sog. Ockstädter Kapelle

1734 am ehem. westl. Stadtrand für die wenigen Katholiken der protestantischen Reichsstadt erbaut. Kleiner Saalbau mit eingezogenem, dreiseitigem Chor und Haubendachreiter.

Judenbad

(Judengasse 20). Mittelalterliche Mikwe (rituelles Frauen­bad) im Hof des von Stadtbaumeister Zörb 1902 entworfenen Wohn­hauses. Inschriftlich 12,60 erbaut. Die gleichen Steinmetzzeichen wie am Chorpolygon der Stadtpfarrkirche. Quadratischer, bis zum Grund­wasserspiegel reichender, in den Basaltfelsen getriebener Schacht von 3,50 m innerer Breite und 25m Tiefe, an den Wänden steinerne Treppe von sieben Läufen (zwei unter Wasser); ihre steigenden Bögen ruhen an den Eckpodesten auf Konsolen und Säulen mit feinen Blattkapitellen (das unterste sowie alle Kämpferprofile ähnlich wie am Altarziborium in der O Stadtkirche). Eingangstür mit ausgezacktem Spitzbogen. Ein besonders schönes und wertvolles Beispiel der in Deutschland nicht sehr zahlreich erhaltenen Judenbäder; vgl. die Bäder in Speyer, Worms, Andernach (Rheinland-Pfalz), Köln (Rheinland) und Offenburg (Ba­den-Württemberg II)

Weitere Sehenswürdigkeiten:

Stadtbefestigung

Von der Stadtbefestigung mit den mehrfach gesicherten Toren nur im Westen eine zusammenhängende Strecke des Mauerunterbaus und das spitzbogige Armsünderpförtchen (Badgasse), vor 1293, mit alter Tür erhalten, im Südosten der runde sog. Rote Turm (Haagstraße) mit Wehrgang über Spitzbogenfries und abgetreppten Zinnen. - An den Haingraben, der einst die ganze Stadt einschließlich der Vorstädte umzog, erinnert noch der Name der Haingrabenstraße.

Kaiserstraße

An der Kaiserstraße, der Hauptachse und ehem. Markt­straße der Stadt, stehen noch größtenteils stattliche Bürgerbauten des i6.-i8. Jh., durch moderne Um- und Ladeneinbauten zuweilen ihr künstlerischer und historischer Wert beeinträchtigt. Die älteren Bauten giebelständig, die jüngeren seit etwa 1700 tr auf ständig, jedoch oft mit Zwerchgiebeln. Bei der Stadterweiterung um die Wende zum 2,0. Jh. in der südl. Verlängerung der Kaiserstraße, an der Mainzer-Tor-Anlage und im Schützenrain ansehnliche Beispiele des Landhaus-, Heimat­bzw. Jugendstils des i. Jahrzehnts des 2,0. Jh.Engelsgasse 7 (Haus Zum Hinterwedel), dreistöckiger, giebelstän­diger Bau um 1471 (d). Traufwände mit durchgehenden Ständern, im Giebeldreieck durchgehende Firstsäule.Kaiserstr. 33 (Haus Zur Zit), i. H. 17. Jh., dreigeschossiges, gie­belständiges Fachwerkhaus mit polygonalem Erker und Wappen der Bürgerfamilie Dietwein; das zweite Obergeschoss verändert, - Nr. 2,4, ehem. giebelständiges Fachwerkhaus des 16. Jh. mit zeittypischen Mann-Figuren; Erker im i. Obergeschoss 17. Jh.; heute Teil eines spä­testens im 19. Jh. entstandenen Gebäudekomplexes. - Nr. 44/46, wohl i. H. 15. Jh., dreigeschossiges verschiefertes Fachwerkhaus, ehem. mit Halle im Erdgeschoss. - Nr. 49, Fachwerkbau des 17. Jh. an der Stelle des 1368 errichteten städtischen Gerichtshauses. - Nr. 59/61 (Haus Roseneck), 1333 bezeugt, der heutige Bau um 1500, zwei massive Ge­schosse, weit vorkragendes Fachwerkobergeschoss. - Nr. 73, (Haus Zum Vogelsang), erste urkundliche Erwähnung 1333; dreigeschossiger, verputzter Fachwerkbau des 14. Jh.; weit auskragendes 2,. Oberge­schoss und barocker Krüppelwalm. - Nr. 118/12,0, Steinbau mit noch romanischem Torbogen, E. 12,. Jh.; seit 1461 zu der Deutschordens-Kommende Sachsenhausen gehörend.

Sog. Altes Rathaus (Kaiserstr. 21). 1737-40 von/. P. Wörrishöfer. Ersatzbau für das bereits 1695 in Fachwerk erneuerte, vorherige Ratsgebäude der Reichsstadt Friedberg. Zweigeschossiger traufstän­diger Putzbau mit hohem Mansarddach, Zwerchhaus und Dachrei­ter. Das stattliche Steinportal mit Sprenggiebel und Stadtwappen von /. P. Mörß.

Ehem. Theologisches Seminar der Ev. Kirche (Kaiserstr. z). 1848 auf dem Gelände der ehem. Burgfreiheit errichtet. Schlichter spätklassizis­tischer Bau mit Rundbogenfenstern und Walmdach. 1982 nicht mehr in Funktion. - Bedeutendste und größte Brückenanlage aus der Frühzeit des Eisenbahnbaus der Main-Weser-Bahn mit städtebaulichem Bezug zur Burg.

Wetterau-Museum

Im Museum in der Haagstraße 16, sind seit 1913 auf Kreisebene, wertvolle Funde von der Steinzeit bis in unsere Zeit, ausgestellt. Vom Faustkeil bis Elvis Presley. Gleichzeitig ist das Museum ein Informationspunkt an der Keltenstraße und dem UNESCO-Welterbe "Obergermanisch-Raetischer Limes".

Detailiertere Angaben erhalten Sie von dem Friedberger Geschichtsverein und der regionalen Vereinigung für Heimatforschung Vogelsberg-Wetterau-Kinzigtal.

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